Wenn uns ein solches Schreiben als Artschutzorganisation erreicht, halten wir kurz inne: Die Gefühle und Gedanken von Christoph Altenberger, einem Fischer, der dem River an Nature Trust aufmerksam folgt, wohnen in vielen von uns. Deswegen wollen wir euch da draußnen an den Bächen und Flüssen unseres Landes diese Zeilen nicht vorenthalten:
Es gibt Momente am Wasser, in denen ich innehalte und mir bewusst werde, warum mich das Fliegenfischen so sehr fasziniert. Es sind nicht unbedingt die großen Fische oder die besonderen Fangerlebnisse, die mir in Erinnerung bleiben. Vielmehr sind es die Augenblicke, in denen ich einer ursprünglichen, wild lebenden Bachforelle begegne. Ein Fisch, der perfekt an seinen Lebensraum angepasst ist, dessen Erscheinungsbild von der Natur geprägt wurde und der seinen Platz in einem funktionierenden Ökosystem gefunden hat.
Genau diese Fische üben auf mich eine ganz besondere Faszination aus. Ihre Farben, die roten Punkte auf den Flanken, ihre kräftigen Körper und ihre Vorsicht in der Strömung erzählen für mich eine Geschichte, die weit über den einzelnen Fisch hinausgeht. Sie erzählen von einem Leben im Rhythmus der Natur, von Anpassung über Generationen und von einer Ursprünglichkeit, die wir in unseren Gewässern unbedingt bewahren sollten.
Mich begeistert dabei vor allem der Gedanke, dass sich manche Bachforellenbestände über sehr lange Zeit an die besonderen Bedingungen ihres jeweiligen Gewässers angepasst haben. Sie sind nicht einfach nur Bewohner eines Baches, sondern Teil seiner Geschichte. Ihre genetische Eigenständigkeit und ihre Anpassung an die örtlichen Lebensbedingungen machen sie für mich zu einem wertvollen Naturerbe.
Wenn ich am Wasser unterwegs bin, sehe ich deshalb nicht nur den Fisch, den ich vielleicht mit meiner Fliege überlisten kann. Ich sehe auch den Lebensraum, der ihn hervorgebracht hat. Die Strömung, die Unterstände, das Kiesbett, die Wasserqualität und die natürlichen Strukturen gehören für mich untrennbar dazu. Erst das Zusammenspiel all dieser Faktoren ermöglicht es einer Bachforelle, sich zu entwickeln und ihren Lebenszyklus unter natürlichen Bedingungen zu durchlaufen.
Gerade deshalb macht es mich nachdenklich, wie sehr viele unserer Gewässer in den vergangenen Jahrzehnten verändert wurden. Verbauungen, Wanderhindernisse, steigende Wassertemperaturen, veränderte Abflussverhältnisse und der Verlust geeigneter Laichplätze setzen den natürlichen Fischbeständen zu. Hinzu kommt, dass Besatzmaßnahmen mit Fischen aus anderen Beständen die genetische Eigenständigkeit ursprünglicher Populationen gefährden können.
Ich bin überzeugt, dass wir beim Schutz unserer Bachforellen weiterdenken müssen. Es darf nicht allein darum gehen, möglichst viele Fische in einem Gewässer zu haben. Viel wichtiger ist für mich die Frage, ob ein Gewässer noch in der Lage ist, einen gesunden, sich selbst erhaltenden und genetisch vielfältigen Wildfischbestand hervorzubringen. Denn ein natürliches Gewässer braucht nicht nur Fische – es braucht die richtigen Bedingungen, damit sich Leben eigenständig entfalten kann.
Das Fliegenfischen hat meinen Blick dafür geschärft. Es hat mich gelehrt, genauer hinzusehen, Zusammenhänge zu erkennen und die Natur nicht als selbstverständlich zu betrachten. Mit der Zeit wird einem bewusst, dass ein erfolgreicher Tag am Wasser nicht zwangsläufig an der Zahl oder Größe der gefangenen Fische gemessen werden muss. Manchmal reicht es, eine wunderschöne Bachforelle in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten und zu wissen, dass sie nach unserer Begegnung wieder unbehelligt in der Strömung verschwindet.
Für mich bedeutet diese Leidenschaft deshalb auch Verantwortung. Wenn wir die ursprüngliche Bachforelle bewundern, sollten wir uns gleichzeitig dafür einsetzen, dass sie ihren Lebensraum behält. Dazu gehören frei fließende Gewässer, kühle und sauerstoffreiche Wasserbereiche, natürliche Flussstrukturen und geeignete Laichplätze. Ebenso braucht es ein Fischereimanagement, das wissenschaftliche Erkenntnisse ernst nimmt und den Schutz genetisch eigenständiger Bestände in den Mittelpunkt stellt.
Ich wünsche mir, dass wir den Wert unserer heimischen Bachforellen wieder stärker über ihre natürliche Herkunft, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Bedeutung für das Ökosystem definieren – und weniger über Fangzahlen oder Trophäen. Denn für mich ist eine ursprüngliche Bachforelle nicht einfach ein schöner Fisch. Sie ist ein Stück lebendige Natur, das wir schützen sollten, gerade weil es nicht beliebig ersetzbar ist.
Mit dieser Hommage möchte ich meine Wertschätzung für diese besonderen Fische zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig ist sie für mich ein Plädoyer für den Erhalt unserer natürlichen Gewässer und jener ursprünglichen Lebensgemeinschaften, die sich über viele Generationen entwickelt haben.
Ich möchte auch in Zukunft am Wasser stehen und wissen, dass es sie noch gibt: ursprüngliche Bachforellen, die wild und frei in ihrem angestammten Lebensraum leben – nicht, weil wir sie dort eingesetzt haben, sondern weil die Natur ihnen die Möglichkeit gibt, sich selbst zu erhalten.
Denn für mich zeigt sich der wahre Wert eines Gewässers nicht darin, wie viele Fische ich darin fangen kann. Er zeigt sich darin, ob die Natur noch ihren eigenen Weg gehen darf.
Und genau dafür lohnt es sich, einzustehen.
Ein persönliches Plädoyer für die ursprüngliche Bachforelle und den Erhalt unserer natürlichen Gewässer – im Sinne des River and Nature Trust.
LG
Christoph Altenberger
Danke lieber Fischerkollege im Namen des Vorstandes – und aller, gleich denken, wie Du!





