WWF, wo bleiben die Fische?

Der WWF warnt vor möglichen Biberentnahmen – zu den Folgen für heimische Fischbestände sagt seine Aussendung nichts. Der RNT (River and Nature Trust) fordert einen Artenschutz, der auch Salmoniden schützt und eine Kulturlandschaft, in der alle in Balance leben können. Präsident Peter Schröcksnadel stellt drei Fragen an den WWF und eine Unterschutzstellung sensibler Bäche für die Zukunft der Salmoniden.

Wien, 24. September 2026 – Der WWF warnt vor möglichen Tötungen von mehr als 1.000 Bibern in sechs Bundesländern. Doch in seiner Aussendung fehlt eine entscheidende Perspektive: die der heimischen Fische. Zu den Folgen, die Biberdämme in sensiblen Salmonidenbächen haben können, sagt der WWF kein Wort.

Der River and Nature Trust (RNT) kritisiert diese Einseitigkeit: Artenschutz darf nicht dort enden, wo das Wasser beginnt.

Bei den vom WWF genannten Zahlen handelt es sich um mögliche jährliche Tötungskontingente aus bestehenden und geplanten Verordnungen, nicht um bereits getötete Tiere. Der WWF hält die Verordnungen für EU-rechtswidrig und fordert Vorrang für Prävention. Diese Kritik betrifft wichtige Fragen der Kontrolle und des Artenschutzrechts. Sie darf aber nicht dazu führen, dass die Auswirkungen auf andere geschützte Arten aus der Debatte verschwinden.

Als ein Beispiel von hunderten: Am Kapellenbach geraten auch die Fische aus dem Blick.

Das RNT Forschungsprojekt am  Kapellenbach in Tirol zeigt, warum die Fische in dieser Diskussion nicht fehlen dürfen. Nach Beobachtungen des RNT bestand dort bereits hoher Prädationsdruck und der Forellenbestand hatte sich verändert, bevor mehrere Biberdämme errichtet wurden.

Später kamen verlangsamter Abfluss, örtliche Sedimentablagerungen und ein trockenes Frühjahr hinzu. Nach Einschätzung des RNT kann der Bach seine Funktion als Aufwuchsgebiet für junge Bachforellen nicht mehr erfüllen. Das ist eine lokale Beobachtung und kein Beleg dafür, dass Biber überall Salmonidenbestände gefährden.

Es zeigt aber, dass die konkreten Folgen an jedem Gewässer fachlich durch Experten geprüft werden müssen, unabhängig von Vorlieben für ganz bestimmte Tierarten.

Der Biber ist kein Prädator. Er ist eine wertvolle heimische Art, deren Rückkehr ein Erfolg des Naturschutzes ist. Doch auch Salmoniden sind Teil der Artenvielfalt. Wer über den Schutz des Bibers spricht, ohne die Auswirkungen auf Laichplätze, Jungfischhabitate und die Durchgängigkeit eines Baches anzusprechen, betreibt einen einseitigen Artenschutz.

Schwarzenberger: Gewässer brauchen standortgerechte Lösungen, Biber brauchen Management.

Der Limnologe Reinhard Schwarzenberger kennt die Großache und ihre Gewässer seit Jahren. Als Planer betreut er ein Referenzbiotop am Zusammenfluss von Kohl und Ache, in dem Fischlebensräume, Biber, Erholung und Hochwasserschutz gemeinsam berücksichtigt werden.

Seine fachliche Einschätzung: Sensible Gewässer wie der Kapellenbach müssen als Salmoniden-Laich- und Aufwuchsgebiete geschützt werden. Wo Konflikte auftreten, braucht es Lösungen, die zum jeweiligen Gewässer passen.

Schwarzenberger verweist auf praktische Ansätze wie verbesserte Fischpassagen und sogenannte „Pond Leveler“, die Wasserstände regulieren und Durchlässe durch Biberdämme ermöglichen können. Solche Maßnahmen gehören geprüft und erprobt. Wenn sie im konkreten Fall nicht ausreichen, müssen Fachleute auch weitere rechtlich zulässige Möglichkeiten beurteilen können.

Für den RNT ist klar: Weder pauschale Biberentnahmen noch ein pauschales Wegsehen helfen den betroffenen Gewässern: Es braucht ein Management, welches alle Lebewesen im Raum einer Natur- und Kulturlandschaft in Balance leben lässt.

Fazit: Drei Fragen von Peter Schröcksnadel an den WWF

Die drei Fragen stammen von Peter Schröcksnadel, dem Präsidenten und Gründer des River and Natur Trust:

  1. Wie soll Artenschutz sicherstellen, dass neben dem Biber auch bedrohte Fischbestände und ihre Lebensräume gleichwertig berücksichtigt werden?
  2. Welche wissenschaftlichen Kriterien sollen vor Ort entscheiden, ob Biberdämme mit Laichplätzen, Jungfischhabitaten und der Durchgängigkeit eines Salmonidenbachs vereinbar sind?
  3. Welche konkreten Lösungen unterstützt der WWF, wenn ein Biberrevier nachweislich ein sensibles Fischhabitat beeinträchtigt – von Prävention und technischen Maßnahmen bis zu einem fachlich geprüften Eingriff?

Quellen: WWF-Presseaussendung vom 22. September 2026; ORF-Bericht; RNT-Fachbeitrag „Biber und Amtsschimmel im Kapellenbach: Am Ende gibt es nur Verlierer“.

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