Was bringt die Tiere unter Wasser ans Tageslicht?

Awards und Aktionstage können Menschen auszeichnen, Projekte bekannt machen und die Fischereigemeinde mobilisieren. Dauerhafte mediale Stärke schaffen sie allein jedoch nicht. Ausgerechnet die Dürre dieses Sommers hat die Krise unter Wasser sichtbarer gemacht als vermutlich jede Auszeichnung.

Fische haben ein grundsätzliches Problem mit der öffentlichen Wahrnehmung: Sie leben unter der Wasseroberfläche. Während vertrocknete Wälder, schmelzende Gletscher oder verletzte Wildtiere starke und unmittelbar verständliche Bilder erzeugen, bleibt das Sterben in unseren Flüssen und Bächen lange unsichtbar.

Eine Bachforelle kann aus einem Gewässer verschwinden, ohne dass es außerhalb der Fischereigemeinde jemand bemerkt. Ein Laichplatz kann verschlammen, ein Bach durch zu geringe Wasserführung seine Funktion als Kinderstube verlieren und ein Fischbestand über Jahre zusammenbrechen. An der Oberfläche fließt dennoch weiterhin Wasser.

Wie also bringt man die Tiere unter Wasser ans Tageslicht?

Menschen vor den Vorhang holen

Eine Möglichkeit sind Preise und Auszeichnungen. Der FishLife Award des Österreichischen Kuratoriums für Fischerei und Gewässerschutz würdigt Menschen, die sich meist ehrenamtlich für Fische und ihre Lebensräume einsetzen. Dabei geht es bewusst nicht nur um große und medienwirksame Projekte, sondern um jene Arbeit, die von Fischereivereinen und engagierten Einzelpersonen oft über Jahre hinweg geleistet wird.

Der FishLife Award 2026 ging an die Vereine „Fisch & Tisch“ aus St. Anna am Aigen und „Fischfreunde Steiermark“ aus Feldbach. Günther Pfleger und Siegfried Unz entwickelten mit „KIDS 2 FISH“ ein Konzept, das Kinder im Vorschul- und Volksschulalter unmittelbar ans Wasser bringt.

Mit Kescher und Schauglas entdecken die Kinder Fische, Krebse und andere Wasserlebewesen. Sie lernen nicht nur theoretisch, wie ein gesundes Gewässer funktioniert, sondern erleben selbst, was unter der Oberfläche lebt. Das seit fünf Jahren durchgeführte Projekt kann auch von anderen Fischereivereinen, Schulen, Teichwirten und Bildungseinrichtungen übernommen werden. Genau diese Übertragbarkeit macht seine besondere Qualität aus. Mehr zum FishLife Award 2026

Ein Award kann solche Projekte sichtbar machen. Er gibt ehrenamtlicher Arbeit einen Namen, Gesichter und eine Bühne. Er stärkt die Menschen, die sich engagieren, schafft Anerkennung innerhalb der Fischereigemeinde und kann andere Vereine dazu ermutigen, ähnliche Initiativen zu starten.

Das ist viel – aber es ist nicht alles.

Aufmerksamkeit braucht einen Anlass

Auch der River and Nature Trust nutzt Auszeichnungen und Veranstaltungen, um auf die Lage der heimischen Fische aufmerksam zu machen. Beim zweiten „Tag der Bachforelle“ am 26. Mai 2026 im Stiegl-Gut Wildshut kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Fischerei, Wissenschaft, Wirtschaft, Sport, Politik und Medien zusammen.

Im Mittelpunkt stand die Bachforelle als Leitfisch intakter Flüsse und Bäche. Gleichzeitig wurde der Blick auf andere bedrohte Arten wie Äsche, Huchen und Flussperlmuschel gelenkt. Der ehemalige Slalom-Weltmeister Reinfried Herbst wurde zum RNT-Botschafter für Salzburg ernannt. Dr. Kurt Pinter von der BOKU Wien stellte den Plan für eine umfassende Studie zur Balance der Arten vor.

Mit der Auszeichnung „RNT Bachforelle 2026“ würdigte der River and Nature Trust Dr. Nikolaus Medgyesy für sein wissenschaftliches Lebenswerk und seine Forschung zu ursprünglichen Fischpopulationen im Alpenraum. Prominente Gäste und eine breite Medienpräsenz halfen dabei, ein Thema sichtbar zu machen, das sonst nur selten große Öffentlichkeit erreicht. Zum Tag der Bachforelle 2026

Awards und Aktionstage erfüllen damit eine wichtige Funktion: Sie verdichten ein komplexes Problem zu einem verständlichen Anlass. Sie schaffen einen Zeitpunkt, an dem Medien berichten können. Sie bringen Fachleute, Betroffene und mögliche Unterstützer zusammen. Und sie erzählen den Schutz unserer Gewässer über Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Der Tag, der Bachforelle macht auch Sinn für seine beiden Gründer, den RNT und die Privatbrauerei Stiegl

Wasser verbindet beide Partner an diesem Event, ohne sauberes Wasser kein Leben darin, ohne hervorragendes Wasser Wasser kein preisgekröntes Bier. Stiegl hat nicht nur bei diesem Award, sondern auch mit der Revitalisierung des Stiegl- Guts Wildshut bewiesen, wie Nachhaltigkeit auch als Geschäftsmodell und als Erhaltung unseres regionalen Erbes gelebt werden kann.

Was Awards nicht leisten können

Eine Preisverleihung erzeugt jedoch noch keine dauerhafte mediale Stärke. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich meist auf wenige Tage: Ankündigung, Veranstaltung, Preisträger, Fotos – danach wenden sich Medien und Öffentlichkeit dem nächsten Thema zu.

Auch innerhalb der Fischereigemeinde erreichen Auszeichnungen häufig jene Menschen besonders gut, die bereits engagiert und informiert sind. Die große Herausforderung beginnt außerhalb dieses Kreises: Wie erreicht man Menschen, die keinen persönlichen Bezug zur Fischerei haben? Wie wird aus einem ausgezeichneten Einzelprojekt eine breitere gesellschaftliche Bewegung? Und wie übersetzt man Aufmerksamkeit in dauerhaft finanzierte Maßnahmen, politische Entscheidungen und konkrete Verbesserungen an den Gewässern?

Ein Award kann gute Arbeit würdigen. Er kann sie aber nicht ersetzen. Er beseitigt kein Querbauwerk, schafft kein Restwasser, lockert keinen verschlammten Laichplatz und schützt keinen Bach vor übermäßiger Wasserentnahme. Dafür braucht es Projekte, Finanzierung, wissenschaftliche Grundlagen, funktionierende Behördenverfahren und politischen Willen.

Vor allem aber braucht es kontinuierliche Kommunikation – auch zwischen den Preisverleihungen.

Als die Flüsse selbst die Bilder lieferten

Wie stark unmittelbare Bilder wirken, hat der Sommer 2026 gezeigt. Dürre, Hitze und extrem niedrige Wasserstände brachten die Probleme der heimischen Fische in eine breitere Öffentlichkeit. Plötzlich waren trockengefallene Bachabschnitte, Fischrettungen und verendete Tiere nicht mehr nur Themen von Fachverbänden und Fischereivereinen.

Die Krise wurde sichtbar.

Wahrscheinlich haben die Trockenheit und die dramatischen Bilder dieses Sommers mehr für die öffentliche Wahrnehmung der bedrohten Fischbestände getan als jeder einzelne Award. Das ist eine bittere Erkenntnis: Offenbar braucht es oft erst die sichtbare Katastrophe, damit das Leben unter Wasser gesellschaftlich wahrgenommen wird.

Doch Dürre und Fischsterben schaffen vor allem kurzfristige Betroffenheit. Sie erklären noch nicht automatisch, warum Gewässer austrocknen, welche Rolle Prädatoren, Verbauungen, Wasserentnahmen, fehlende Beschattung, Kraftwerksbetrieb oder zerstörte Nebenarme spielen – und welche Lösungen möglich wären.

Genau hier beginnt die Aufgabe von Organisationen, Verbänden, Wissenschaft und Medien.

Aus Aufmerksamkeit muss Erinnerung werden

Awards sind dann sinnvoll, wenn sie nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt verstanden werden. Der FishLife Award kann „KIDS 2 FISH“ über die Steiermark hinaus bekannt machen. Die „RNT Bachforelle“ kann wissenschaftliche Lebensleistungen würdigen und Menschen eine öffentliche Stimme geben, die sich seit Jahrzehnten mit unseren Fischen beschäftigen. Der Tag der Bachforelle kann Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen zu Botschaftern für den Gewässerschutz machen.

Entscheidend ist jedoch, was danach geschieht.

Wird ein ausgezeichnetes Projekt von anderen Vereinen übernommen? Werden neue Partner gewonnen? Entstehen daraus politische Gespräche, wissenschaftliche Untersuchungen oder finanzierte Schutzmaßnahmen? Bleiben die ausgezeichneten Menschen auch nach der Preisverleihung öffentlich sichtbar? Und gelingt es, regelmäßig Geschichten aus jener Welt zu erzählen, die für die meisten Menschen unter der Wasseroberfläche verborgen bleibt?

Die Dürre hat die Fische in diesem Sommer ans Tageslicht gebracht. Die Aufgabe von Awards, Aktionstagen und kontinuierlicher Medienarbeit ist es, dafür zu sorgen, dass sie nicht wieder aus unserem Bewusstsein verschwinden, sobald das Wasser zurückkehrt.

Zur Spendenseite des River and Nature Trust, die Spende ist absetzbar

Scroll to top