Fisch in Not – und hunderte stille Heldinnen und Helden für morgen.

Wer, wenn nicht die Fischerinnen und Fischer samt ihren Familien selbst, die jetzt versuchen, das Unmögliche möglich zu machen: Den Bestand der nächsten Jahre zu retten. Braucht es erst eine Jahrhundert Trockenphase, um auf die fragilen Lebensumstände der Lebewesen unter Wasser hinzuweisen?

Der Anlassgeber für dieses Schreiben war ein Facebook Posting von Franky Schorn, das auf Facebook für Fischerverhältnisse viral gegangen ist. Der Fischer war mit seinen Töchtern in Eigenregie unterwegs, und hat 80 Bachforellen auf tiefere Stellen verbracht. Er schreibt in seinem emotionalen Posting mit Recht, dass sich die einschlägigen Naturschutzorganisationen auffällig still verhalten. Viel stiller, als zu Zeitpunkten, wo Entnahmen von Ottern, Kormoranen oder Bibern zu einem gewaltigen Einsatz der PR Strategen der bekannten Organisationen führen.

Fische haben kein Fell, sie sind nicht “herzig”, als Merchandising Artikel nicht verkaufbar. Deswegen und weil auch die Fischerei in den letzten Jahrzehnten schlichtweg zu leise war, ist die Situation der Anteilnahme am Leben der Huchen, Äschen, Forellen, Koppen, Barben, der Flussperlmuschel oder den Steinkrebsen außerhalb der Gemeinschaft der Fischerinnen und Fischer gleich null.

Jetzt ist die Katastrophe sichtbar, aber sie ist ist schon lange im Lande.

Bäche fallen trocken, Flüsse sind zu einem Drittel leer, Seen verdunsten. jetzt springen die Medien zum Teil auf. Das ist der Verdienst, den einige Organisationen und Einzelpersonen in den letzten Jahren aufgebaut haben: Beziehungen und Austausch untereinander und mit den Medien. Programme der Wissenschaft, allen voran der Limnolog:innen der BOKU Wien, um Fehler aus Jahrzehnten für die kommenden Jahre zu vermeiden – bzw. sie zu reparieren.

Für Nicht – Fischer: Was unsere Tiere unter Wasser an den Rand der Katastrophe gebracht hat – und jetzt doppelt zuschlägt:

Kleinkraftwerke, mehr als 4000 an der Zahl haben nur zum Teil Aufstiegshilfen, welche der Fisch zur Wanderung braucht, gleichzeitig zerstören sie natürliche Gewässerläufe und Laichplätze, auch durch Schwall und Sunk ohne Rücksicht auf die Reviere. Die Zahl der Kormorane hat sich in der Durchzugs- und Winterzeit verhundertfacht. Früher vom Aussterben bedroht, sorgt der Vogel nun für das Aussterben anderer Arten, selbiges gilt für den Otter. Diese Tiere haben ein Lobby, die gute Arbeit macht, es braucht endlich, mit Hilfe von Politik und Verwaltung eine Balance der Arten, die am Wasser leben. (Kärnten ist am besten Weg dazu). Klärwerke lassen durch technische Limitierung Ewigkeitschemikalien durch, Reifenabrieb, intensives Wildbaden an Flüssen im Sommer und eine fast tägliche Vergewaltigung unserer Bäche durch Verunreinigung. (Da werden Dixie Klos gewaschen, lecke Diesel – oder Chemiekanister lassen das Gift ins Wasser rinnen oder es wird Gülle in den Bach gebracht. Jedes mal das gleiche Ergebnis: Der Bestand ist dezimiert oder ausgelöscht.

Mit Keschern und Kübel im Kampf um die letzen Fische.

Im Augenblick schreiben die Medien, der ORF berichtet, die Krone sowieso, sie ist seit Jahren auch eine Anwältin der Bäche, Vertreter der Fischerei kommen zu Wort. Es sind Bilder, die so tragisch, wie auch schön und ermutigend sind, wenn Vereine, Familien oder Gemeinden ausrücken, um die letzten Gumpen oder tiefere Ersatzgewässer mit geretteten Fischen zu besetzen. Endlich kommen auch Fischereiverantwortliche zu Wort – es passiert eben jetzt das Muster, das wir alle kennen:

Sommerloch, mit Hitze gefüllt, die schlechte Nachricht ist die gute.:

Medien brauchen solche Stories, ob bei Hochwasser, wie bei Niedrigwasser: Wir zusammen gegen die Katastrophe. Und wir, die Fischerinnen und Fischer werden zu “Helden für 1 Minute”, bis eben der Artikel gelesen oder das Video weitergescrollt wurde.

Bleibt da Etwas über?

Jene Menschen, welche die bedrohten Tiere unter Wasser lieben, brauchen den Applaus nicht, sie hätten das auch so getan. Aber dass jetzt die Medien das Thema aufgreifen, ist ein Chance für unsere kleine Lobby der Fischerei und eben für die ungesehenen Lebewesen unter Wasser, die jetzt und zum guten Teil tot, an die Oberfläche kommen.

Die Geschichte ist größer, als trockene Wochen oder ein trockenes Jahr. Sie beginnt beim Eingriff duch Mikro – Wasserkraft, geht über die Prädatoren- und Biberfrage oder der Entnahme für private oder gewerbliche Zwecke bis hin zur kriminellen und selten geahndeten Verunreinigung. Medien wie die Krone, ServusTV, die OÖN, da nenne ich drei, welche regelmäßig und nicht nur im Katastrophenfall über die Probleme der Fische berichten , erzählen die fragile Geschichte des Überlebens der Salmoniden und anderer Flussbewohner in vielen Aspekten. Aktionen, wie unser “Tag der Bachforelle” oder die Foren des ÖKF tragen dazu bei, dass sich die Fischerei entschlossen trifft und mit neuen Ideen wieder in die Reviere geht. Die Fischerinnen und Fischer, stehen stärker zusammen und das muss noch viele besser werden. Dialoge mit der Jagd, der Wasserkraft, der Verwaltung – und mit Politiker: innen, die nicht nur den PR Augenblick, sondern Nachhaltigkeit anstreben, müssen für uns alle auf die Agenda. Wir sind, was die Anzahl betrifft, 300.000 potentielle Naturschützer, da kommt keine Organisation mit.

Aber lassen wir, zum. Schluss dieses Artikels, doch eine große Regenwolke am Horizont zu:

Die große Hoffnung für morgen sind die Kinder

Ich bin beim Eingang der Geschichte, bei Franky Schorn und seinen Töchtern, beim Buch “Tagebuch einer Bachforelle” von Thommy Mardo oder beim Jugendfischereiverein Rohrbach und seinen kreativen Ideen. Ich denke mir, dass jedes Kind, welches in diesen Tagen mit Gummistiefel und Keschern unterwegs ist, abends sehr zufrieden ins Bett geht – und dass die Geschwister im Dunkeln vor dem Einschlafen noch begeistert ihre Erlebnisse besprechen – und die Videos davon ihren Freundinnen und Freunden zeigen. Vielleicht gehen sie jetzt gerade mit ihnen zum nächsten Bach und halten Wacht, ob mehr Fische ihre Hilfe brauchen, wahrscheinlich haben sie auch einen Kescher dabei. Sie sind weit mehr als junge Heldinnen und Helden für eine Stunde oder ein Minute: Sie sind die Hoffnung für die nächste Jahrzehnte und stehen, so hoffe ich, in 20 Jahren an Bächen, Seen und Flüssen, die wieder viele Fische unter Wasser haben.

“In zwanzig Jahren bin ich auch fischen” – das ist mehr, als wir “Alten” heute angesichts der Lage versprechen können, aber wir müssen alles dafür tun, dass unsere Kinder es können.

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