Conny, Ramona& Co: Wenn Frauen die Fliege führen

Warum Fliegenfischen mehr ist als eine Technik – und warum fischende Frauen für den Schutz der Arten unter Wasser genauso entscheidend sind, wie ihr männlichen Kollegen.

Es gibt diese Momente am Wasser, in denen alles leiser wird. Der Lärm der Stadt, die Eile des Tages, die vielen kleinen Ablenkungen des Alltags. Man steht am Ufer, sieht eine Strömungslinie, eine Spiegelung, vielleicht den Schatten einer Forelle. Dann hebt sich die Rute, die Schnur beschreibt einen Bogen, die künstliche Fliege landet fast lautlos auf der Oberfläche. Wer Fliegenfischen nur als Fangtechnik versteht, hat diesen Augenblick noch nicht begriffen. Es ist eine Schule der Wahrnehmung. Eine Übung in Geduld – und auch eine sehr stille Form von Naturschutz.

Der River and Nature Trust freut sich, dass immer mehr Frauen diesen Zugang zum Wasser für sich entdecken.

Nicht, weil Naturverbundenheit eine Frage des Geschlechts wäre. Sondern weil jede neue Perspektive am Fluss zählt. Weil Frauen, die sich für Fischerei, Fliegenfischen und Gewässer einsetzen, sichtbar machen, dass Artenschutz unter Wasser keine Spezialdisziplin, sondern eine gemeinsame Aufgabe bedeutet. Und weil viele Fischerinnen mit besonderer Sensibilität an das Thema herangehen: aufmerksam, beobachtend, vorsichtig in der Bewegung, interessiert an Lebensräumen, nicht nur an Fängen.

Eine, die diese Haltung besonders glaubwürdig verkörpert, ist Cornelia Reidinger Mang.

Viele kennen sie aus Peter Schröcksnadels& Max Mahdaliks Buch “Im Namen der Flüsse”als Conny, als Fischerin an der Wien, als Frau mit Fliegenrute an einem Gewässer, das man in der Stadt oft nur als regulierten Kanal, als Hochwasserlinie oder als begleitende Infrastruktur wahrnimmt. Doch wer mit ihr über den Wienfluss spricht, merkt schnell: Hier geht es nicht um eine romantische Nebenbeschäftigung. Hier geht es um Beziehung. Um Wissen. Um Respekt. Und um die Frage, was wir in unseren Flüssen noch sehen können, wenn wir bereit sind, genau hinzuschauen.

Schon der River-and-Nature-Trust-Podcast über Conny Reidinger Mang zeigte, wie ungewöhnlich und zugleich wichtig ihre Perspektive ist. Frauen, die fischen, sind noch immer in der Minderheit. Frauen, die mit der Fliegenrute unterwegs sind, erst recht. Und doch erzählt gerade diese Szene viel über die Zukunft der Fischerei: Sie rückt weg vom Bild des reinen Entnehmens, hin zu einer Praxis, die Wahrnehmung, Verantwortung und Freude an lebendigen Gewässern verbindet.

Längst fischt Conny nicht nur den “exotischen” Wienfluss, sie absolviert die Ausbildnerinnenprüfung , erkundet Reviere im ganzen Land und bewirtschaftet mit dem Kösselbach in Oberösterreich schon ihr erstes Revier. Sie ist (und da hat der River and Nature Trust wahrscheinlich auch dazu beigetragen, “a fly addicted” und immer wieder Gast bei unseren Events (und natürlich auch Mitglied im RNT.

Genau hier entsteht die Verbindung zwischen Fliegenfischen und Naturschutz. Wer am Wasser steht, liest Spuren. Wasserstand, Temperatur, Trübung, Insektenflug, Ufervegetation, Kleinfischvorkommen, Laichplätze, Sediment, Schatten, Sauerstoff. Fliegenfischen verlangt dieses Lesen. Es zwingt dazu, nicht grob in ein System einzugreifen, sondern sich ihm anzunähern. Daraus kann Respekt entstehen. Und aus Respekt kann Schutz werden.

Cornelia Reidinger Mang geht noch einen Schritt weiter. Mit ihrem Projekt WYLD FLY verbindet sie Fliegenfischen mit psychologischer Beratung, Coaching und Leadership-Training. Das klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich, ist aber bei näherem Hinsehen folgerichtig. Denn der Fluss ist ein ehrlicher Ort. Er nimmt keine Rücksicht auf Titel, Rollen und Hierarchien. Er beantwortet Unruhe nicht mit Erfolg. Wer zu hastig wirft, verheddert sich. Wer nicht hinsieht, verpasst das Wesentliche. Wer nur den Fang will, versteht die Umgebung nicht.

Für den River and Nature Trust ist diese Entwicklung mehr als sympathisch. Sie ist ein wichtiger kultureller Schritt.

Denn Flüsse brauchen Verbündete. Sie brauchen Menschen, die für Durchgängigkeit, Balance der Arten und vernünftige Bewirtschaftung eintreten. Sie brauchen eine Öffentlichkeit, die versteht, dass unter der Wasseroberfläche in Österreich Alarmstufe rot für unsere Populationen herrscht. Und sie brauchen Fischerinnen und Fischer, die ihre Rolle nicht als Gegensatz zum Artenschutz begreifen, sondern als dessen Teil.

Dass Frauen hier stärker sichtbar werden, ist deshalb eine gute Nachricht.

Initiativen wie die Fishing Ladies der OEFG1880 zeigen seit Jahren, wie wichtig ein niederschwelliger Zugang zur Fischerei ist. Frauen, die am Angeln interessiert sind, finden dort Ansprechpartnerinnen, Austausch, gemeinsame Aktivitäten und praktische Hilfe. Es geht um Technik, Ausrüstung und Revierwissen, aber auch um Gemeinschaft und Selbstverständlichkeit. Gerade in einem Bereich, der lange männlich geprägt war, kann der Kontakt von Frau zu Frau entscheidend sein. Er nimmt Hemmschwellen. Er schafft Vertrauen. Er sagt: Du musst hier nicht erst beweisen, dass du dazugehört. Du darfst einfach beginnen.

Eine Pionierin dieser Bewegung ist Ramona Hani.

Sie hat den Fishing Ladies ein Gesicht, eine Stimme und eine Richtung gegeben. In der Österreichischen Fischereigesellschaft gegr. 1880 steht sie für einen Zugang, der Frauen nicht als Ausnahme am Wasser behandelt, sondern als selbstverständlichen Teil der Fischerei. Die Fishing Ladies wollen ein Netzwerk für Gedanken-, Informations- und Erfahrungsaustausch unter fischenden Frauen aufbauen – über alle Angelarten hinweg, von der Friedfischangel über die Spinnrute bis zur Fliegenrute. Ihr Motto bringt die Haltung auf den Punkt: „Gemeinsam statt einsam.“

Dass Ramona Hani dabei mehr ist als eine Organisatorin, zeigt ihr Verständnis von Fischerei. Im Zentrum stehen nicht nur Technik, Ausrüstung und Lizenzfragen, sondern das richtige Lesen des Wassers, waidgerechtes Fischen, gegenseitige Hilfestellung und naturnahe Erholung. Genau darin liegt ihre Pionierarbeit: Sie hat vielen Frauen einen Einstieg in eine lange männlich dominierte Welt erleichtert – nicht über Abgrenzung, sondern über Gemeinschaft, Kompetenz und Sichtbarkeit. Für den River and Nature Trust ist Ramona Hani deshalb eine wichtige Botschafterin einer modernen Fischerei, die Frauen stärkt und zugleich den Blick auf Gewässerhege, Artenschutz und nachhaltige Bewirtschaftung lenkt.

Ramona Hani, Bild ÖFG1880

Gemeinsam mit Frauen wie Cornelia Reidinger Mang entsteht so ein neues Bild der Fischerei. Hier die Fliegenfischerin, die mit WYLD FLY Naturerfahrung, Coaching und persönliche Entwicklung verbindet. Dort die Pionierin der Fishing Ladies, die Frauen ermutigt, selbstständig ans Wasser zu gehen, Wissen weiterzugeben und Verantwortung für Gewässer zu übernehmen. Beide zeigen auf unterschiedliche Weise: Frauen in der Fischerei sind keine Randnotiz. Sie sind Teil der Zukunft unserer Flüsse.

Die Liebe zur Natur, das Interesse an Artenbalance, die Freude am Wasser – all das ist nicht männlich oder weiblich. Es ist menschlich. Und doch verändert sich etwas, wenn mehr Frauen am Wasser sichtbar werden. Die Erzählung wird breiter. Das Vereinsleben wird vielfältiger, der Nachwuchs bekommt andere Vorbilder.

Besonders wertvoll ist dabei die Verbindung zur Jugend. Wer Kinder und Jugendliche an Gewässer heranführt, vermittelt mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Er oder sie öffnet einen Wahrnehmungsraum. Junge Menschen, die einmal gesehen haben, wie Insekten schlüpfen, wie Kiesbänke Laichplätze bilden, wie mächtig ein Bach nach Starkregen werden kann , werden Wasser anders betrachten. Sie werden Flüsse nicht nur als Abflussrinnen sehen. Sie werden fragen, was dort lebt – und wir erzählen, was alles schon verschwunden ist.

Das ist eine der zentralen Hoffnungen des River and Nature Trust:

Dass aus Begegnung Verantwortung entsteht. Aus einem Nachmittag am Wasser kann ein lebenslanges Interesse werden. Aus einer geführten Fliegenfischerfahrung kann die Frage wachsen, warum ein Bach zu warm wird, warum Ufer verbaut sind, warum Fische nicht wandern können, warum der Bestand der Bachforelle unter Druck steht. Wer einmal gespürt hat, wie fein ein Gewässer auf Veränderung reagiert, wird schwerer wegsehen.

Denn unter Wasser entscheidet sich viel von dem, was wir an der Oberfläche erst spät bemerken. Wenn Fischbestände zurückgehen, wenn Laichplätze oder Wasserdotationen fehlen, wenn Gewässer zu warm, zu gerade, zu hart verbaut oder zu stark belastet sind, dann ist das nicht nur ein Problem der Fischerei. Es ist ein Zeichen dafür, dass ein ganzer Lebensraum aus dem Gleichgewicht gerät. Wer fischt, kann das früh erkennen. Wer aufmerksam fischt, kann davon erzählen. Wer verantwortungsvoll fischt, kann Teil der Lösung werden.

Immer mehr Frauen tun genau das. Sie stehen am Wasser, werfen die Fliege, beobachten, fragen, lernen, geben Wissen weiter. Sie schließen sich Projekten an, engagieren sich in Gruppen, begleiten andere, bringen Kinder und Jugendliche an den Fluss, sprechen über Gewässerhege und nachhaltige Bewirtschaftung. Sie zeigen, dass Fischerei und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen, wenn beide vom gleichen Gedanken ausgehen: dem Respekt vor dem Leben unter der Oberfläche.

Vielleicht ist das die schönste Botschaft dieser Entwicklung.

Die Zukunft der Flüsse wird nicht allein in Sitzungen, Gutachten und Verordnungen entschieden. Sie entsteht auch dort, wo Menschen eine Beziehung zum Wasser aufbauen. Wo Cornelia Reidinger Mang am Wienfluss zeigt, dass Fliegenfischen Wahrnehmung, Ruhe und Verantwortung schult. Wo Ramona Hani mit den Fishing Ladies Frauen ermutigt, selbstbewusst, waidgerecht und naturverbunden ans Wasser zu gehen. Wo Mädchen und Burschen lernen, dass Gewässer keine Kulisse sind, sondern Lebensräume.

Und wo der River and Nature Trust sagt: Willkommen. Wir brauchen euch. Die Flüsse brauchen euch auch.

https://www.wyldfly.at

https://www.oefg1880.at/fishing-ladies

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