Heute ist ein guter Tag für unsere Fische und Gewässer – das EABG wurde, klug geändert, beschlossen.

Nach der gestrigen Entscheidung zum Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz sieht der River and Nature Trust einen wichtigen Etappensieg für die letzten Wasserjuwelen des Landes. Was 2025 als Einspruch gegen einen problematischen Gesetzestext begann, wurde nun zu einem politischen Signal: Energiewende und Gewässerschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Österreichs kleine Flüsse und Bäche sind Kinderstuben für Fische, Rückzugsräume für bedrohte Arten, natürliche Verbindungslinien in einem Gewässernetz, das längst unter Druck steht.

Gestern, am 11. Juni 2026, rückten genau diese stillen Wasserjuwelen in den Mittelpunkt einer Entscheidung von nationaler Bedeutung. Der Nationalrat beschloss das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz, kurz EABG. Nach langen Verhandlungen hatte die Bundesregierung dafür die Grünen als Partner gewonnen, weil für den Beschluss eine Zweidrittelmehrheit notwendig war, die Freiheitlichen stimmten gegen die Vorlage.

Für den River and Nature Trust ist dieser Beschluss mehr als ein energiepolitischer Schritt. Er ist ein Zeichen der Hoffnungfür Österreichs kleine Flüsse und Bäche. Denn die letzten verbliebenen unberührten Gewässer sollen künftig besonders geschützt werden. Für sie soll das „überragende öffentliche Interesse“ am Ausbau der Wasserkraft nicht gelten. Damit wurde eine zentrale Forderung von Forschenden und Umweltschutzorganisationen aufgegriffen.

Die Debatte hatte mit großer Sorge begonnen.

Das geplante EABG sollte den Ausbau erneuerbarer Energie erleichtern und Verfahren beschleunigen. Dieses Ziel ist wichtig. Die Energiewende braucht Tempo, Planungssicherheit und politische Entschlossenheit. Doch aus Sicht von Fischerei, Gewässerschutz und Naturschutz bestand die Gefahr, dass unter dem Titel der Beschleunigung auch jene Gewässer unter Druck geraten könnten, deren ökologischer Wert besonders hoch und deren energiepolitischer Zusatznutzen vergleichsweise gering ist.

Deshalb schloss sich der River and Nature Trust 2025 der Beeinspruchung des ursprünglichen Gesetzestextes durch den Österreichischen Fischereiverband und dessen Präsidenten Gert Gradnitzer an. Der Einspruch richtete sich nicht gegen die Energiewende. Er richtete sich gegen eine Energiewende ohne ausreichendes ökologisches Augenmaß. Die zentrale Botschaft lautete: Klimaschutz darf nicht bedeuten, die letzten intakten Bach- und Flusslebensräume zu opfern.

In den folgenden Monaten führte der River and Nature Trust zahlreiche Gespräche mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern. Immer wieder wurde erklärt, warum kleine Flüsse und Bäche für die Natur so entscheidend sind. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass zusätzliche Kleinwasserkraft oft nur begrenzte Beiträge zur Energieversorgung leisten kann, während die ökologischen Schäden dauerhaft sein können. Und immer wieder ging es um dieselbe Grundfrage: Wie kann Österreich erneuerbare Energie ausbauen, ohne jene Naturjuwelen zu verlieren, die es eigentlich für kommende Generationen bewahren müsste?

Die gestrige Entscheidung zeigt nun: Diese Argumente wurden gehört.

Dramatisch war der Weg dorthin bis zuletzt. Die Grünen hatten ihre Zustimmung an höhere Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien geknüpft. Die Regierung sei ihnen in den Verhandlungen doch noch entgegengekommen, erklärte der Energiesprecher der Grünen, Lukas Hammer, am Donnerstag. „Wir haben hart verhandelt.

Am Ende steht nun ein Gesetz, das den Ausbau erneuerbarer Energie beschleunigen soll, zugleich aber eine entscheidende ökologische Korrektur enthält. Das Ausbauziel für erneuerbaren Strom bis 2030 wurde von 27 auf 30 Terawattstunden gegenüber 2020 erhöht; bis 2035 soll der Zielwert bei mindestens 40 Terawattstunden liegen. Zugleich sollen die letzten unberührten Gewässer geschützt werden.

Für den River and Nature Trust ist der Schutz kleiner Flüsse und Bäche auch ein Schutz der Zukunft. Viele Fischarten benötigen strukturreiche, kühle und durchgängige Gewässer. Sie brauchen natürliche Dynamik, Kiesbänke, Unterstände, Schatten, Zuflüsse und freie Wanderwege. Werden diese Systeme weiter zerstückelt, verlieren nicht nur einzelne Arten ihren Lebensraum. Das gesamte ökologische Gefüge gerät aus der Balance.

Der neue Schutzstatus ist deshalb mehr als eine fachliche Ergänzung in einem Gesetz.

Er ist ein Signal an Gemeinden, Projektwerber, Behörden und Politik: Nicht jedes Gewässer ist ein potenzieller Kraftwerksstandort. Nicht jeder Bach darf unter dem Etikett der Beschleunigung verplant werden.

Der River and Nature Trust versteht diesen Beschluss als Etappensieg — nicht als Endpunkt. Denn entscheidend wird sein, wie der Schutz in der Praxis angewendet wird, wie Verfahren geführt werden und ob die letzten unberührten Gewässer tatsächlich jene Sicherheit erhalten, die ihnen nun politisch zugesagt wird.

Österreichs Bäche brauchen keine großen Worte. Sie brauchen klare Regeln, konsequenten Schutz und Menschen, die für sie sprechen. Die gestrige Entscheidung zeigt, dass diese Stimme gehört werden kann. Für die Fische, für die Natur und für kommende Generationen ist das ein gutes Zeichen.

Gert Gradnitzer resümiert:Kleine Flüsse und Bäche sind keine beliebig nutzbaren Standorte, sondern wertvolle Lebensräume für Fische, Pflanzen und unzählige andere Arten. Dass diese Wasserjuwelen nun besser geschützt werden sollen, ist ein gutes Zeichen für die Natur und für kommende Generationen. In diesem Kontext gilt mein besonderer Dank dem Energie- und Umweltsprecher der Grünen, Lukas Hammer, dessen Hartnäckigkeit und Standhaftigkeit in den Verhandlungen dieses Ergebnis zu verdanken ist.

RNT-Präsident Peter Schröcksnadel selbst hat hunderte Kilometer im Auto und viele Stunden an Verhandlungstischen verbracht. Er sieht in dem Beschluss einen wichtigen Erfolg für den Gewässerschutz und bedankt sich bei allen, die dazu beigetragen haben:

„Unser Dank gilt den politischen Vertreterinnen und Vertretern im Parlament, die die Argumente gehört und verstanden haben. Ganz besonders danke ich Gert Gradnitzer und dem Österreichischen Fischereiverband, welcher der Motor hinter dieser Bewegung war, Heinz Heistinger vom Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, meinem Vorstand im River and Nature Trust sowie der Kronen Zeitung, ServusTV und den Oberösterreichischen Nachrichten, die unserem Anliegen ein Forum gegeben haben.“

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