Kormoranbestände gefährden Fischarten – Anglerverband fordert europäisches Management

Berlin, 19. Jänner 2026 – Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) warnt vor den ökologischen Folgen stark gestiegener Kormoranbestände für heimische Fischpopulationen. Da Gewässer im Winter kaum mehr zufrieren, profitieren Kormorane deutlich stärker als viele heimische Fischarten.

Der Verband betont, dass es nicht um die Ausrottung des Kormorans gehe, sondern um ein verantwortungsvolles Management. „Wenn eine ehemals gefährdete Art sich so stark vermehrt, dass andere Arten und ganze Ökosysteme nachhaltig geschädigt werden, ist Regulierung notwendig“, erklärt DAFV-Präsident Klaus-Dieter Mau.

Die Schäden bleiben oft unsichtbar, da Kormorane in tieferen Gewässerbereichen und Wintereinständen jagen. In diesem Winter wurden die Auswirkungen jedoch erstmals wieder breiter wahrgenommen, etwa an der Havel und mehreren Potsdamer Seen. Laut DAFV handelt es sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um ein seit Jahren bestehendes strukturelles Problem.

Wissenschaftliche Untersuchungen und Anhörungen im Deutschen Bundestag hätten gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen hohem Fraßdruck durch Kormorane und dem Rückgang sensibler Fischarten inzwischen als belegt gilt. Die Frage sei nicht mehr, ob Handlungsbedarf bestehe, sondern wie Fischbestände wirksam geschützt werden können.

Der Verband kritisiert, dass Maßnahmen zugunsten des Vogelschutzes häufig selbstverständlich seien, während vergleichbare Schritte zum Schutz von Fischen verzögert oder abgelehnt würden. Fischarten dürften nicht auf die Rolle bloßer Nahrungslieferanten reduziert werden.

Der DAFV fordert daher ein bundesweit koordiniertes und europäisch abgestimmtes Kormoranmanagement. Ein entsprechender europäischer Managementplan wird derzeit im Auftrag der EU erarbeitet. Der Verband nahm dazu an der internationalen Kormoran-Konferenz Anfang Februar 2026 in Prag teil und appelliert an die Politik, nationale Handlungsspielräume konsequent zu nutzen.

„Gezielte Regulierung ist kein Gegensatz zum Naturschutz“, so Mau. „Sie ist Voraussetzung für den Erhalt der biologischen Vielfalt.


Auch in Österreich zeigt sich diese Problematik zunehmend. Der River and Nature Trust weist seit Jahren darauf hin, dass Fischbestände in vielen Flüssen und Bächen massiv unter Druck stehen – durch Lebensraumverlust, Belastungen der Gewässer und zusätzlichen Prädatorendruck. Die Debatte um Kormoran- und Ottermanagement macht deutlich, dass Artenschutz nur dann wirksam sein kann, wenn er alle Tiergruppen gleichwertig berücksichtigt.

Fische sind die am stärksten bedrohte Wirbeltiergruppe in Österreich – und zugleich jene, die öffentlich kaum wahrgenommen wird. Der River and Nature Trust setzt sich daher für einen balancierten, wissenschaftlich fundierten Naturschutz ein, der nicht ideologisch, sondern ökologisch argumentiert: zum Schutz der Tiere unter Wasser, die keine Stimme haben.

Laufende INTERREG Projekte wie an der Drau Kärnten (BOKU, Dr. Kurt Pinter) sind deshalb lebensnotwendig für die Fische in Österreich – genauso, wie in den Anrainerstaaten des 5 Länder Flusses.

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