Wie PFAS unsere Flüsse& Seen bedrohen und was das für Fische und unsere eigene Gesundheit bedeutet.
In Europas Flüssen und Seen schwimmen sie mit: Stoffe, die weder verschwinden noch verrotten. PFAS – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – sind chemische Verbindungen, die seit Jahrzehnten in unzähligen Produkten stecken: in Antihaftbeschichtungen, Feuerlöschschaum, Textilien, Verpackungen und sogar Kosmetika. Sie wurden einst für ihre Stabilität gelobt – heute sind sie berühmt-berüchtigt als „Forever Chemicals“, die sich in der Umwelt, in Gewässern und im Gewebe von Lebewesen ansammeln.
Was PFAS sind und warum sie überall sind
PFAS zeichnen sich durch extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindungen aus. Diese Stabilität macht sie in alltäglichen Anwendungen nützlich, aber gleichzeitig auch schwer abbaubar in der Umwelt. Viele dieser Verbindungen sind persistent, gelangen leicht in Wasserläufe und können dort über lange Strecken transportiert werden. PFAS sind inzwischen in Fischen, Wassern, Sedimenten und sogar in menschlichem Blut nachweisbar.
Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat in einem umfassenden Monitoring-Bericht festgestellt, dass PFOS – eine besonders verbreitete PFAS-Substanz – in vielen europäischen Gewässern häufig über den bestehenden Umweltqualitätsnormen liegt. Dies betrifft Flüsse, Seen und Übergangs- sowie Küstengewässer.
Wie weit Kläranlagen PFAS wirklich entfernen können
Wichtiges wissen für alle, die über Fische und Gewässer sprechen: PFAS überleben die meisten herkömmlichen Kläranlagen.
Eine systematische Übersichtsarbeit zur Rolle von Kläranlagen bei PFAS bestätigt, dass konventionelle Abwasserreinigungsprozesse meist weitgehend wirkungslos sind, wenn es um PFAS geht. Biologische Reinigungsverfahren, wie sie in europäischen Klärwerken üblich sind, entfernen die Stoffe kaum – in einigen Fällen wurde sogar negative Entfernung beobachtet, weil Vorläuferstoffe in noch persistentere PFAS umgewandelt werden.
Das heißt: PFAS werden in den Kläranlagen nicht zuverlässig „gestoppt“ – sie werden übernommen und in vielen Fällen im Effluent (dem gereinigten Abwasser) weiter in die Gewässer entlassen oder bleiben in Klärschlamm gebunden, der dann wiederum problematisch in der weiteren Anwendung oder Entsorgung wird. Diese Schwäche traditioneller Abwassertechnik wird in wissenschaftlichen Übersichten seit Jahren dokumentiert.
Das Bundesumweltamt in Österreich hat in alten Berichten ebenfalls darauf hingewiesen, dass der Gesamteintrag von PFAS in Gewässer über Kläranlagen-Ausläufe vermutlich unterschätzt wird, weil viele Standardmessmethoden nur einen Teil der PFAS-Stoffe erfassen. Den Link zum Report aus dem Jahr 2022 finden Sie am Artikelende.
Kurz gesagt: PFAS überwinden Kläranlagen, wenn auch teils nicht vollständig analytisch erfasst: Die Substanzen werden im Reinigungsprozess nicht abgebaut, sondern gelangen entweder in das gereinigte Wasser oder verbleiben im Klärschlamm – und können später wieder freigesetzt werden.
Auswirkungen auf Fische – messbare Belastung und Bioakkumulation
PFAS reichern sich in der Nahrungskette an – ein Prozess, der in der Wissenschaft als Bioakkumulation bezeichnet wird. Besonders langlebige Substanzen wie PFOS oder PFUnDA haben hohe Trophische Magnifikationsfaktoren, was bedeutet, dass sie sich im Gewebe von Fischen über die Nahrungskette ansammeln. In mehreren europäischen Studien wurden PFAS nicht nur in Fluss-, sondern auch in Seenfischen nachgewiesen.
Die Kontamination ist nicht nur ein theoretisches Problem: Untersuchungen aus dem Vereinigten Königreich und Spanien zeigen, dass PFAS-Konzentrationen in essbaren Fischen oft über den von der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA empfohlenen Wochenzufuhren liegen, wenn Menschen regelmäßig Fisch verzehren. Diese Werte sind vor allem in Spanien deutlich höher als in Großbritannien.
Gesundheitliche und ökologische Risiken
PFAS sind nicht nur persistent – viele gelten als potenziell krebserregend oder hormonell wirksam. Sie können Leber, Nieren und Immunfunktionen beeinträchtigen und wirken sich auch auf die Fortpflanzung aus.
Für Fische bedeutet das:
- Anreicherung im Fett- und Muskelgewebe
- erhöhter Stress durch Umweltbelastungen
- mögliche Beeinträchtigung von Fortpflanzung und Entwicklung
PFAS wirken dabei oft leise, ohne akute Massentode, aber mit langfristiger Belastung, die Populationen schwächt: Ein Thema, das in Fischereikreisen besonders ernst genommen wird, weil Symptome wie reduzierte Wachstumsraten nicht leicht auf einzelne Ursachen zurückzuführen sind.
Schwerpunktregionen: Europa, UK & Spanien
Die europäische PFAS-Belastung konzentriert sich auf mehrere Gebiete:
- Industriezentren und Ballungsräume
- Standorte mit intensiver Nutzung von Löschschaum oder Chemieanlagen
- Gewässer in der Nähe großer Flughäfen und militärischer Flächen
Ein großer EEB-Report weist nach, dass zwischen 2009 und 2023 Fischproben aus Ländern wie Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Schweden PFOS-Werte aufwiesen, die teils weit über den vorgeschlagenen EU-Grenzwerten lagen. Die Werte überschritten teils die vorgeschlagenen neuen EU-Grenzwerte um das bis zu 10.000-Fache
Konkret zeigt eine Studie aus dem Jahr 2025, dass in Spanien und Großbritannien PFAS in Fischen weit verbreitet sind, wobei spanische Proben höhere Konzentrationen langkettiger PFAS zeigten und auch Verbraucherschutzstandards überschritten wurden.
Auch in der Schweiz sind die Zeichen auf Alarm, so wurde sogar ein Verzehrverbort für die Arten Hecht und Egli aus dem Zuger See verhängt und zwar erst im letzten November 2025.
Regulatorische Lage – EU und Richtlinien
Die EU hat in der Trinkwasserrichtlinie Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser vorgesehen: insgesamt maximal 0,50 Mikrogramm/l Gesamt PFAS, davon 0,10 Mikrogramm/l als untere Schwelle für bestimmte prioritäre PFAS.
Allerdings gelten diese Werte gelten primär für Trinkwasser, und für Fische als Lebensmittel gelten andere Höchstwerte, etwa 2 Mikrogramm/kg für PFOS in Fischfleisch.
Das Grundproblem ist technisch, nicht nur politisch
PFAS sind chemisch so stabil, dass sie praktisch nicht durch Standard-Klärprozess entfernt werden. Die Folge: Sie verbleiben im Wasserkreislauf oder binden sich an Schwebstoffe und Schlamm. Beide Wege führen dazu, dass PFAS im ökologischen Kreislauf von Nahrungsketten landen, statt „weggefiltert“ zu werden.
Damit ist die Bekämpfung von PFAS in Gewässern nicht nur eine Frage der politischen Regulierung, sondern auch eine technische Herausforderung für Abwasserwirtschaft, Monitoring und Gewässerschutz-Politik.
Resümee
PFAS sind in Europas Gewässern und Fischen nicht nur vorhanden, sondern verbreitet, persistent und ökologisch relevant. Sie überdauern Kläranlagen, reichern sich in Fischen an und können langfristige gesundheitliche und ökologische Schäden verursachen.
Für den Fischschutz heißt das: Wir brauchen mehr als Durchgängigkeit und Renaturierung.
Wir müssen auch gegen die unsichtbaren Giftspuren kämpfen, die unsere Flüsse vergiften – selbst wenn kein akutes Fischsterben sichtbar wird.
Quellen:
EEB Report: Forever Chemicals poisoning Europe’s waters and fish (2025)
- Wissenschaftliche Übersicht zur Entfernung von PFAS in Kläranlagen (Ma et al. 2026)
- Studie zu PFAS in Fischen aus UK und Spanien (Junqué et al. 2025)
- EU-Umweltatlas PFAS-Belastung in Gewässern (EEA)
- EU-Kommission: PFAS-Grenzwerte im Trinkwasser (Trinkwasserrichtlinie)
- Artikel aus dem Kanton Zug
- Report Umweltbundesamt 2022





