Ein Interview mit Peter Schröcksnadel: Ein Naturschutzverein erhält sich nicht durch das Erzählen von Geschichten, sondern durch seine Handlungen, wie Projekte an Flüssen und Bächen und ein ständiger Dialog mit der Wissenschaft. Mindestens genauso wichtig ist das Eintreten für die Fische bei den Entscheidungsträger:innen des Landes, dafür tourt der Präsident des River and Nature Trust durch ganz Österreich. Wir haben um einen Blick hinter die Kulissen der Diskussionen und Dialoge gebeten.
Beginnen wir bei den großen Problemen der Fische Österreichs, welche stehen bei Ihnen ganz oben auf der Liste, was sagen die Bewirtschafter?
„Wir haben im Augenblick das Hauptthema der Balance: Eine Art wird intensiv geschützte, die andere verschwindet leise. Prädatoren sind gegenüber den Fischen in der Wahrnehmung, aber auch in den Schutzbestimmungen klar bevorteilt, das hat zu einer Reduktion der Biomasse des Fisches geführt, welche ohne Beispiel ist. Rückgänge von 50 bis 80% sind der Regelfall und keine Ausnahmen geworden. Flüsse kennen keine Bundeslandsgrenzen, die Verwaltung sehr wohl. Also gibt es keine einheitlichen Maßnahmenpakete zu einer besseren Balance der Arten und somit keine bis wenig Chance zu einem nationalen Plan.
Die Drau ist dadurch praktisch leer von Fischen, ein Interreg Projekt erlaubt nun die großräumige Entnahme von Kormoranen. Nur so haben die Lebewesen unter Wasser des 5 Länder Flusses wieder eine Chance.
In meinem Heimatbundesland Tirol sprach ich mit den Vertretern der Fischerei, denen der Otter einen unheimliche Leidensdruck erzeugt, der über der Salzburger Grenze nicht so stark ist, weil die Landesgesetzgebung eine andere ist.
Sie selbst waren beim Landeshauptmann Anton Mattle, ihr Tiroler RNT Botschafter, Stanglwirt Johannes Hauser war mit Gert Gradnitzer (Präsident Ö Fischereiverband) beim zuständigen Landesrat Josef Geisler um Probleme anzusprechen. Welche waren das – und wie waren die Reaktionen?
“Das war ein Termin in den Diensten der Balance an den Flüssen in Tirol, dort sind es Otter und der Graureiher, welche nicht nur die Bäche und Flüsse leerräumen, sondern auch die Züchter an den Rand des Ruins treiben. In Thaur*, der ältesten Fischzucht Österreichs nisten über den Teichen Schwärme von oft 25 Graureihern.

Bild: BML
Der Otter nimmt derart Überhand, dass auch die wenigen noch übrigen Fische, darunter die Hauptarten Forelle und Äsche bald verschwunden sein werden. Schlussendlich ist auch der Biber wieder in großer Zahl aktiv. Er zählt nich zu den Prädatoren, richtet aber großen Schaden an. Er verursacht lokale Überschwemmungen, das hat ebenso einen Einfluss auf das Leben der Fische: Wanderungen der Forellen und Äschen werden unterbunden, das Wasser erwärmt sich und verschmutzt. Der Biber verändert die Flusstemperaturen und Flussbilder an den kleinen Gewässern, die als Krippe der Salmoniden dienen sollten, wir finden dort sogar, man glaubt es nicht, Aale und zahlreich Barsche und Aitel. Ob das gezeigte Verständnis in der Tiroler Landesregierung auch in konkrete Handlungen mündet, wird die Zukunft zeigen.”
**Anm: Die Fischzucht in Thaur wurde von Kaiser Maximilian gegründet un d erstemal 1504 erwähnt
Erst vor einigen Tagen waren Sie gemeinsam mit Gert Gradnitzer bei einem Termin mit Minister Totschnig, da stand ein besonderes Vorhaben im Focus, auch sonst noch andere?
“Wir haben gemeinsam mit der BOKU Wien, Dr. Kurt Pinter den Plan zu einer Studie entwickelt, die ein Gamechanger sein könnte, was die Bewirtschaftung bzw. die Betrachtung der Gewässer unter neuen Parametern betrifft.
Wir wollen wissenschaftlich feststellen, wieviel dieser Einflüsse durch Otter, Reiher, Kormorane, Biber verträgt es überhaupt?
Es ist wichtig zu erforschen, wie viele dieser teilweise neu eingewanderten Tiere unsere stehenden und fließenden Gewässer pro Hektar aushalten können. Dabei ist die Maxime, dass eine Reproduktion aus eigener Kraft sichergestellt wird. Nur sie kann den Artenerhalt sicherstellen.
Auch das Thema Erneuerbaren Ausbau Gesetz haben wir angesprochen, da wir uns mit der Meinung des öst. Fischereiverbandes solidarisiert heben, der speziell die absolute Handlungsfreiheit der Kleinwasserkraft, welche das Gesetz bedeuten würde, reglementiert sehen will. Das ist unumgänglich, wenn die Bäche eine Chance haben sollen.“
Sie waren sogar mit Bundeskanzler Stocker fischen, er selbst ist auch ein „Jünger der Fliege“, sieht auch er die Probleme von Bachforelle und Co?
Auch in den Gesprächen mit Bundeskanzler Stocker wurde von seiner Seite betont, dass er sich für das Leben in den Flüssen und die oben besprochenen Probleme einsetzen wird.“





