Brauchen wir mehr Wasserkraft? RNT – Vize Werner Steinecker im Interview

Die “Neverending Story”, die Fischer:innen, die Bewirtschafter:innen, die Wasserkraft und die Rolle der “Erneuerbaren” im Energiequellenwandel von heute und morgen.

Die Idee zu diesem Interview entstand durch eine Kurier Interview von Robert Kleedorfer mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, der eine Potentialanalyse zur Wasserkraft für dieses Jahr ankündigte, aber auch durch eine Eingabe des Österreichischen Fischereiverbandes zum EABG, dem Erneuerbaren Ausbau Gesetz, dem sich der RNT angeschlossen hat. Mit Werner Steinecker haben wir einen profunden Fachmann zur Wasserkraft in unserem Vorstand, als Vizepräsident des Gründers Peter Schröcksnadel. Er war unglaubliche 50 Jahre bei der ENERGIE  AG, dem oberösterreichischen Landesversorger, zuletzt 5 Jahre (bis 2022) als dessen Generaldirektor. Wir haben ein Interview mit ihm geführt über ein Thema, das seit jeher die Öffentlichkeit berührt: Die Rolle der „Erneuerbaren“ im Schnittpunkt mit der Natur und den Arten, nicht aus der emotionalen, sondern der rationalen Sicht der Zahlen und der Verbesserung des Dialogs.

Also steigen wir gleich ein, Werner Steinecker: Brauchen wir noch mehr Wasserkraft ?

„Diese Frage einem ehemaligen Vorstandsdirektor eines EVU’s zu stellen, scheint anfänglich etwas widersinnig. Bei näherer Beschäftigung mit der Frage und der Betrachtung des gesetzlichen Versorgungsauftrages eines Energieversorgers ergibt das sehr spannende Überlegungen .

Gleich vorweg – man sollte dieses Thema auch mit Blick auf den Gewässerschutz und Schutz der Wassertiere nicht nur den selbsternannten Experten und Ökoromantikern überlassen und immer wieder den Dialog zwischen Gewässerwissenschaftlern , Fischern und Wasserkrafterzeugern suchen .

Unbestritten ist der unendliche Hunger nach Elektrizität – einhergehend mit immer mehr Menschen auf unserem Planeten – bald 10 Mrd und dem Streben jedes einzelnen nach höherem Lebensstandard. Spektakuläre Trendwenden in den EU Definitionen haben so sogar zur Renaissance der Atomenergie – wie von Frau von der Leyen proklamiert , geführt. Die Devise lautet – immer weniger Energie in der Anwendung / immer mehr Strom in der Verwendung.“

Dann gehen wir doch ein wenig tiefer in die Wasserkraft hinein, wenn wir schon die Gelegenheit haben. Wie wichtig ist sie für den Energiebedarf?

„Das überbordende Fördern der Erneuerbaren Wind und PV speziell in Zentraleuropa , hat uns sehr deutlich vor Augen geführt:  Ohne Grundlastkraftwerke  und nur mit stochastischer Produktion (Anmerkung: nach Wahrscheinlichkeiten) kann die Energiewende nicht gelingen.

PV mit 1000 Stunden / Jahr und Wind On Shore mit vielleicht 2500 Stunden / Jahr sind nicht in der Lage ein Jahr mit 8760 Stunden im Jahr zu bedienen .

Und hier kommt nicht nur immer wieder der Ruf nach Speichertechnologie ins Spiel , sondern auch der Ruf nach mehr Wasserkraftausbau .

Wohlgemerkt Wasserkraft aus Flusskraftwerken errechnet sich mit ca 5500 Stunden pro Jahr. Betrachtet man den Ausbaugrad der Wasserkraft – dank den Pionierleistungen der Großväter und Vätergeneration , so halten wir zB in OÖ bei ca 90 %, nicht recht viel anders in NÖ und Salzburg.

Etwas mehr ginge noch in Tirol – aber immer unter der Maxime , die letzten freien Fließstrecken zB am Oberen Inn zu nützen – mit zum Teil sehr hohen spezifischen Baukosten und eher geringer Leistungsausbeute, also ein Projekt, das Zweifel aufwirft.“

Sie haben bereits in Ihrer Stellungnahme zum EU Renaturierungsgesetz vor bald zwei Jahren recht klare Worte gefunden und von einem „Aktionismus“ gesprochen, in dem die Fische erst gar nicht vorkommen und Österreich als einem vorauseilendem Musterschüler gesprochen. Jetzt steht das EABG ins Haus, wo sich der RNT hinter die Meinung des Öst. Fischereiverbandes gestellt hat. Der anerkennt die Notwendigkeit des Ausbaus der Erneuerbaren, bekrittelt aber die mangelnde Kohärenz mit Habitatrichtlinien und auch den Wasserrahmenrichtlinien. Frage an den Energieexperten: Wie sehen Sie die Rolle der Kleinwasserkraft an Bächen und kleineren Füssen?

Das bedingungslose Ausbauen von naturbelassenen eher kleinen Fließstrecken ist teuer und wenig sinnvoll und passiert oft nur, damit der Betreiber an das Fördergeld herankommt.  Auch das bedingungslose Platzieren von sogenannten Alibi-  Fischaufstiegshilfen ist kräftig zu hinterfragen .

Viele Fischereiausübungsberechtigte lehnen dies ab .

Geeignete Laichplätze und beruhigte Wasserzonen zu schaffen hätte mit Blick auf die Lebensgewohnheiten der Fische mehr Sinn als Fischlifte mit Lockströmungen.

Immer mehr kommt eine sehr große Herausforderung auf unsere Wasserquellen und Bäche zu – die Trinkwasserversorgung. In Österreich quasi eine Selbstverständlichkeit-  in vielen Ländern der Welt eine existentielle Frage der Daseinsvorsorge.

Gerade die Fische als Bioindikator spielen bei der Trinkwasser Qualität eine zentrale Rolle. Wasserkraft Nutzung , Trinkwasserreservoir und Fischlebensraum darf sich nicht ausschließen sondern idealerweise ergänzen.“

Sie müssen in Ihrer Pension nicht mehr zwingend „für“ die Wasserkraft sein, sind Sie es dennoch?  – und gleich auch eine Schlussfrage: Gäbe man Ihnen einen Zauberstab für das „Energie& Flusswunderland“ Österreich, welchen Zustand würden Sie herstellen?

„Den Dialog: Ohne Zweifel existiert ein seit Jahrzehnten wachsendes Spannungsverhältnis zwischen den sprachlosen Fischen , den Fischern und den Wasserkraftwerksbetreibern – das dann nicht eskaliert wenn rechtzeitig gesprochen wird und vor allem ein laufender Dialog mit anschließenden, ökologisch sinnhaften Lösungen praktiziert wird.

Österreich hat eine fast 150 jährige Tradition im Wasserkraftwerksbau und hochwertiger Trinkwasser Gewinnung mit vielen sehr positiven Beispielen – diese sollten der Maßstab sein für ein gutes Miteinander, zu gleichen Teilen auch zum Wohle unserer Flussbewohner.“

Werner, Steinecker, danke für das Interview – und eine schöne Zeit an Ihren Lieblingsgewässern.

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