„Artenschutz braucht Balance – warum wir 2025 lauter geworden sind“

Von der Bachforelle bis zur Otter-Debatte: ein Jahresrückblick& Vorausblick über Verantwortung, Widerstände und den Kampf für die Tiere unter Wasser von Professor Peter Schröcksnadel, Präsident des River an Nature Trust.

Sehr geehrte Förderinnen und Förderer,
sehr geehrte Partnerinnen und Partner, liebe Fischerinnen und Fischer.

Das Jahr 2025 war für den River and Nature Trust ein Jahr der lauteren Worte nach außen– nicht aus Kalkül, sondern aus Verantwortung heraus. Wer sich mit Flüssen, Bächen und ihren Bewohnern beschäftigt, kann nicht länger nur beobachten. Die Lage unter der Wasseroberfläche zwingt uns, Haltung zu zeigen.

Wir „Menschen an den Flüssen“ wissen: Der dramatische Rückgang der Fischbestände ist keine abstrakte Zukunftsfrage mehr, sondern eine ökologische Realität. Die Bachforelle, der wir mit dem „Tag der Bachforelle“ bewusst eine öffentliche Bühne gegeben haben, steht sinnbildlich für diesen Zustand. Wo sie verschwindet, ist das ökologische Gleichgewicht bereits schwer beschädigt, da gibt es keine Balance der Arten mehr.

Deutlich wurde dies im auch ganz im Kleinen, so zB. bei unseren Zählungen im Kapellenbach, wo der dokumentierte Rückgang der Fischpopulationen mit erschreckender Klarheit zeigt, dass auch winzige Gewässer ohne jede Querverbauung schon schwer betroffen sind. Solche Beispiele sind keine Einzelfälle. Der Bach steht stellvertretend für viele Gewässer in Österreich, die als Heimat für die Salmoniden verloren gehen. Nicht nur Prädatoren, auch Veränderungen durch den Biber tun das ihre dazu und leider auch zahlreiche Umweltverbrechen an sensiblen Gewässern, wie zum Beispiel das Waschen von Dixieklos oder Entsorgung alter Dieselkanister. Unglaublich? – Nein, leider wahr!

Gleichzeitig haben wir 2025 gelernt, dass Naturschutz ohne öffentliche Unterstützungen wirkungslos bleibt. Die Anerkennung der Spendenabsetzbarkeit war für den River and Nature Trust daher ein entscheidender Schritt. Sie ermöglicht es uns, unsere Arbeit breiter abzusichern, neue Spender:innen und Fürsprecher: innen zu gewinnen und langfristig wirksamer zu werden. Jenen, die bereits tätig wurden, danken wir ausdrücklich.

Ein wichtiger Impuls für unsere inhaltliche Arbeit war 2025 auch das Buch „Im Namen der Flüsse“. Es bringt in meiner Sprache auf den Punkt, worum es im Kern geht: Flüsse sind mehr als technische Systeme oder wirtschaftliche Ressourcen – sie sind eigenständige Lebensräume mit einer ökologischen Würde. Das Buch stärkt jene Perspektive, die auch unsere Arbeit prägt: dass Gewässer nicht nur geschützt, sondern als Ganzes verstanden und respektiert werden müssen. Für uns ist „Im Namen der Flüsse“ damit nicht nur eine Publikation von Erlebnissen am Wasser, sondern ein inhaltlicher Kompass.

Ein zentrales Anliegen war und ist die Verbindung von Artanschutz und Kommunikation. Was unter Wasser geschieht, bleibt oft unsichtbar – und wird politisch wie gesellschaftlich zu wenig berücksichtigt. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit: Fische haben keine Stimme. Sie können keine Bilder liefern, keine Emotionen erzeugen, keine Kampagnen führen. Umso wichtiger ist es, dass wir ihre Interessen fachlich fundiert und öffentlich nachvollziehbar vertreten.

Dabei stehen wir nicht allein. Mit Fishlife (dem öst. Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz) und dem Österreichischen Fischereiverband haben wir starke Verbündete an unserer Seite, die dieselbe Sorge teilen: dass Artenschutz zunehmend unausgewogen geführt wird. Während große Organisationen wie WWF, Tierschutz Austria oder BirdLife mit enormer kommunikativer Kraft einzelne Arten ins Zentrum rücken, geraten andere – insbesondere die Fischfauna – immer stärker unter Druck.

Die Debatte rund um die Kärntner Fischotterverordnung hat dies exemplarisch gezeigt. Internationale Verfahren, starke mediale Präsenz und moralische Argumente treffen auf eine ökologische Realität, in der Fischbestände regional um bis zu 90 Prozent eingebrochen sind. Wenn in einem ohnehin geschwächten System zusätzlicher Prädatorendruck entsteht, kann das für Fischarten existenzbedrohend sein. Hier geht es nicht um Ideologie, sondern um Balance – und um Verantwortung für das gesamte Ökosystem.

Der River and Nature Trust ist überzeugt: Artenschutz darf nicht eindimensional sein. Er darf nicht dort enden, wo die öffentliche Aufmerksamkeit nachlässt. Er muss auch jene Tiere einschließen, die keine Lobby haben und deren Verschwinden leise geschieht.

2025 war auch ein Jahr der Weichenstellung. Mit der Vorbereitung auf den NGO-Status 2026 schaffen wir die Grundlage, künftig stärker dort mitzuwirken, wo Entscheidungen fallen – insbesondere durch erweiterte Möglichkeiten der Parteienstellung in umweltrelevanten Verfahren. Das ist kein politischer Selbstzweck, sondern ein notwendiges Instrument, um die Interessen der Gewässer und ihrer Bewohner wirksam zu vertreten.

Das werden wir auch in Sachen des EABG (Erneuerbaren Ausbau Gesetz) machen: Die Wasserkraft, insbesondere Kleinkraftwerke sind mit fast 4000 Bauten ausgereizt. Deswegen darf ihnen durch das geplante Gesetz kein Freibrief gestaltet werden, der ein Handeln ohne den Einbezug der Fischerei ermöglicht.

Mit „Stanglwirt“ Johannes Hauser konnten wir zudem unseren ersten Botschafter für Tirol gewinnen – als sichtbares Zeichen dafür, dass Engagement für Flüsse und Fische auch gesellschaftlich getragen wird. Botschafter verstehen wir nicht als Aushängeschilder, sondern als Mitstreiter und Johannes Hauser ist einer, den man sich an seiner Seite nur wünschen kann.

Resümee

Das Jahr 2025 hat uns eines klar vor Augen geführt:
Wenn wir es nicht schaffen, im Artenschutz wieder eine ökologische Balance herzustellen, werden wir weiter Arten unter Wasser verlieren.

Der River and Nature Trust wird auch künftig scharf Position beziehen, dort wo es notwendig ist, und Brücken bauen, wo es möglich ist. Gemeinsam mit Ihnen, unseren Partnern und Förderern, mit Fishlife, dem Österreichischen Fischereiverband und seinen Landesverbänden und vielen engagierten Menschen wollen wir eines erreichen:

Dass der Kampf für die Tiere unter Wasser nicht länger im Schatten geführt wird.
Dass ihre Existenz gesichert wird, bevor sie endgültig verschwinden

Dafür danken wir allen, die sich mit unseren Gedanken identifizieren – und zählen auch im kommenden Jahr auf eure Unterstützung.

Mit herzlichen Grüßen

Professor Peter Schröcksnadel
Präsident
River and Nature Trust

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