Wenn der Schutz einer Art den Untergang vieler anderer bedeutet

Die Kärntner Fischotterverordnung steht für ihre Haltung zum Schutz der heimischen Fische international in der Kritik. Tierschutz Austria spricht von Rechtswidrigkeit, die Berner Konvention führt ein Prüfverfahren. Doch während sich die Debatte auf den Otter konzentriert, geraten jene Tiere aus dem Blick, die kaum noch eine Stimme haben: die Fische. Der River and Nature Trust erklärt, warum Artenschutz nur dann funktioniert, wenn er das gesamte Ökosystem berücksichtigt.

Warum die Debatte um den Fischotter in Kärnten neu geführt werden muss – aus Sicht der Fische:

Die Auseinandersetzung ist emotional, juristisch komplex und längst über die Landesgrenzen Kärntens hinausgewachsen. Tierschutz Austria fordert den Rückzug der Kärntner Fischotterverordnung und argumentiert mit einem Verstoß gegen internationales Artenschutzrecht. Das Komitee der Berner Konvention stuft die Regelung als rechtswidrig ein und führt sie nun als sogenanntes „Open File“. Bis Herbst 2026 sollen Republik Österreich und das Land Kärnten über Fortschritte berichten.

Die Kärntner Landesregierung bleibt dennoch standhaft. Jagdreferent Martin Gruber (ÖVP) betont, dass die geltende Verordnung auf fachlichen Grundlagen beruhe, rechtlich weiterhin Bestand habe und nicht daran gedacht werde, die dringlichen Maßnahmen zum Schutz der Fischfauna zurückzunehmen.

Was in der Debatte fehlt: der Zustand der Fischbestände

Während über den Schutz des Fischotters intensiv diskutiert wird, bleibt eine zentrale Realität weitgehend unbeachtet: Der Zustand vieler Fischpopulationen ist dramatisch.

In zahlreichen Kärntner Fließgewässern – insbesondere in der Drau – sind die Bestände von Bachforelle, Äsche oder Huchen in den vergangenen Jahrzehnten massiv eingebrochen. Rückgänge von bis zu 90 Prozent der Fischbiomasse sind keine Ausnahme, sondern vielerorts Realität.

Der Fischotter: stabiler Bestand in einem geschwächten System

Der Fischotter hingegen gilt in Kärnten als günstig erhalten – ein Umstand, der auch von der Berner Konvention bestätigt wurde. Laut Angaben des Landes wurden zwischen 2019 und 2024 insgesamt 247 Fischotter entnommen, was dem natürlichen Zuwachs entspreicht. Ziel sei es, den Bestand stabil zu halten.

Aus Sicht des Landes ist klar: Ohne regulierende Eingriffe würde der Prädationsdruck, auch durch Kormorane oder Reiher, weiter steigen – mit gravierenden Folgen für ohnehin geschwächte Fischpopulationen.

Jagdreferent Martin Gruber formuliert es deutlich:

„Der Schaden in der Fischbiomasse und in der Biodiversität von Fließgewässern ist nachweislich. Wenn wir nicht eingreifen würden, würde die Otterpopulation exponentiell steigen – und den Fischen jede Entwicklungsmöglichkeit nehmen.“

Tierschutz Austria widerspricht dieser Sichtweise und verweist auf internationale Verpflichtungen. Der Rückgang der Fischbestände habe nichts mit dem Fischotter zu tun, sondern sei Folge menschlicher Eingriffe.

Nach unserer Meinung nicht beachtend: Menschliche Eingriffe, gibt es in einer Kulturlandschaft seit vielen Jahrzehnten, der Rückgang der Populationen der Salmoniden und anderer Arten unter Wasser, wie auch der Nase, ist erst seit der Überpopulation der geschützten Prädatoren (nicht nur der Otter, auch Reiher und Kormorane) zur Katastrophe geworden.

Der River and Nature Trust teilt deswegen die Analyse von Tierschutz Austria nicht, sondern steht da einig zusammen mit dem öst. Fischereiverband:

Gert Gradnitzer, dessen Präsident formuliert:

„Wir entnehmen den Fischotter nicht gerne und schon gar nicht aus Jagdvergnügen. Wir tun es, weil viele Fischarten nicht mehr geschützt, sondern gerettet werden müssen. Ohne Eingriffe verlieren wir ganze Populationen – unwiederbringlich.“

Wer schützt die Tiere unter Wasser?

Auch Peter Schröcksnadel, Präsident des River and Nature Trust, kritisiert die aus seiner Sicht einseitige Fokussierung der Debatte:

„Der Otterbestand ist stabil – der Fischbestand ist es nicht. Artenschutz darf nicht an der Wasseroberfläche enden. Wenn internationale Gremien über den Otter sprechen, ohne die Situation der Fischbiomasse mitzudenken, entsteht ein verzerrtes Bild. Der River and Nature Trust stellt sich klar auf die Seite der Fische – und unterstützt die Kärntner Landesregierung dort, wo Maßnahmen der ökologischen Balance dienen.“

Der River and Nature Trust steht für Balance und Ausgewogenheit

Regulierung ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Notinstrument, solange natürliche Reproduktionsbedingungen für die Fischfauna nicht wiederhergestellt sind. Artenschutz darf nicht bedeuten, Arten zu privilegieren, die sichtbar sind und viele andere zu verlieren, die unter Wasser leben und keine Stimme haben.

Scroll to top